Wegzehrung

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
eine Schulklasse ist in der Sächsischen Schweiz unterwegs. Es geht hoch und runter und wieder hoch. Ganz schön an-strengend. Gegen Mittag ist das Tagesziel erreicht. Es wird Zeit für eine Rast. Bisschen ausruhen, vor allem aber meldet sich jetzt der Hunger. Alle packen ihre Rucksäcke aus. – Mmmh lecker: Brot und Käse und Tomaten, Wurst und Eier, Tee und Obst …
Essen muss sein. Ohne geht es nun mal nicht. Und das wäre ja auch zu schade. Aber stellen Sie sich vor, der Rucksack ist leer. Einfach nichts drin. Die eine Handvoll Reis gab es schon zum Frühstück, die nächste erst morgen wieder. So geht es vielen auf unserer Welt.
In diesen Wochen sagen wir Gott Danke für die Ernte. Trotz Trockenheit im letzten Jahr und in diesem Jahr ist wieder viel gewachsen und gereift. Unser Rucksack ist gefüllt. Wir können viel auspacken und uns stärken für den weiteren Weg.
Am schönsten ist so ein Picknick übrigens, wenn alle ihre mitgebrachten Dinge zu einem gemeinsamen Essen zusammenstellen. Dann wird es ein richtiges Festmahl. So reichhaltig hätten wir es allein gar nicht gehabt.
Gott will, dass es in der ganzen Welt so ist: Ein reich gedeckter Tisch für alle. Denken wir mal wieder daran, wenn wir unterwegs unseren Rucksack auspacken! Geben wir doch den anderen was ab, damit auch sie Danke sagen können.
Auch beim Abendmahl werden wir daran erinnert: Wir teilen das Brot – Grundlebensmittel für alle – und reichen den Becher mit Wein herum – Zeichen des Festmahls.
Wir brauchen Wegzehrung. Immer wieder. Nicht nur beim Wandern, auch in der Schule oder sonst im Alltag. Essen und Trinken stärken ungemein, genauso aber auch Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Zeit zum Zuhören, ein tröstendes Wort und eine gute Gemeinschaft. Da geht es gleich viel leichter weiter.
Gottes Zusage für unser Leben ist auch so eine Wegzehrung. Gut, sie sich immer wieder mal sagen zu lassen. Möglichkeiten dazu gibt es in jeder Kirche. Den Schulkindern wollen wir es zum Beginn des neuen Schuljahres ganz besonders sagen: Dass du bist, war Gottes Idee. Er hat dich gewollt. Er braucht dich. Und er ist auch in der Schule dabei.
Ich wünsche Ihnen eine gute Wanderung durch die nächsten zwei Monate – und ausreichend Wegzehrung.
Ihr Pfarrer Joachim Rasch