ANDACHT

von Gemeindepädagogin Gabriele Schulze

Liebe Leserinnen und Leser,

so habe ich mir meine letzten Arbeitsmonate nicht vorgestellt – keine Christenlehre, kein Religionsunterricht, kein Frauenkreis… Während ich diese Zeilen schreibe, schränkt die Corona-Pandemie Leben und Arbeiten ein. Das macht mich traurig. Ich vermisse die persönlichen Begegnungen, das Miteinander. Trotzdem geht mir gerade jetzt ein Psalmvers nicht aus dem Sinn:

„Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“. (Psalm 103,2)

Gott loben? Jetzt? Ja, gerade jetzt! Dem Psalmbeter ist es eine Hilfe, zurückzublicken und sich an die Heilstaten Gottes zu erinnern.

Was hat Gott mir Gutes getan? So Vieles könnte ich aufzählen, nur für einiges ist Platz: Ich bin in einer christlicher Familie aufgewachsen. Meine Eltern haben mich zur Kurrende geschickt. In den neun Kurrendejahren ist mir Kirche zur Heimat geworden. Verschiedene Menschen sind mir Vorbilder im Glauben geworden, wie mein kriegsblinder Onkel, der mich mit seinem unerschütterlichen Glauben beeindruckt hat oder unser damaliger Jugendwart und seine Frau, die mich animierten Kindergottesdienst in Hauswalde zu halten und als Helferin zu Kinderrüstzeiten mitzufahren. In dieser Zeit wuchs mein Wunsch, hauptamtlich in der Arbeit mit Kindern tätig zu werden und so startete ich meine zweite Berufsausbildung, wurde Gemeindepädagogin und „landete“ vor 30 Jahren in der Kirchgemeinde meines Geburtsortes Bischofswerda.

Von da an durfte ich berufsmäßig tun, was ich von Herzen gern wollte, nämlich Kindern, später auch Erwachsenen und Jugendlichen die frohe Botschaft von der Liebe Gottes weitersagen – was für ein Geschenk!

Rückblickend auf die 30 Jahre in unserer Kirchgemeinde habe ich mir Bilder angeschaut, Bilder von der Christenlehre, von Kinderbibeltagen, Rüstzeiten, Familien- und Kindergottesdiensten, Christenlehreabschlusswanderungen (wie auf dem Titelbild), Krippenspielen, Frauentreffausflügen, Weltgebetstagen, Glaubenskursen, JG-Backrüstzeiten,…

Dabei wurde mir zum einen ganz wehmütig ums Herz bei dem Gedanken, dass am 25. September mein Dienst endet. Zum anderen blicke ich staunend auf diese gefüllte Zeit zurück und lege sie in Gottes Hände mit der Bitte, dass er den ausgestreuten Samenkörnchen Wachstum und Gedeihen schenken möge.

Nicht immer ist alles gelaufen, wie ich es mir gewünscht hätte. Sicher habe ich Menschen verletzt und enttäuscht. Da entschuldige ich mich und bitte um Vergebung.

Von Herzen danke ich allen Großen und Kleinen, Alten und Jungen, Frauen und Männern, Mädchen und Jungen für das entgegengebrachte Vertrauen, für das gute Miteinander, für alle Hilfe und Unterstützung, für alles Verständnis, für die vielen schönen Erlebnisse… Ich kann nur dankbar sagen: „Lobe den Herrn, meine Seele!“

Vielleicht haben Sie auch Lust bekommen, nach den Spuren Gottes in Ihrem Leben zu suchen und sich zu fragen: Welche Menschen, die mich im Glauben wachsen ließen, hat Gott mir in den Weg gestellt? Aus welchen Tiefen hat er mir herausgeholfen? Welche wunderbaren Erlebnisse verdanke ich Gott? Wie oft bin ich bewahrt worden?…

Im Psalmvers heißt es auch „und vergiss nicht“. Ja, vergessen wir es nicht: Alles, was wir sind und haben, ist nicht unser Verdienst, sondern Gottes Geschenk. Erinnern Sie sich immer wieder an diese großartige Liebe und Zuwendung Gottes, erzählen oder singen Sie davon und stimmen Sie mit ein in die Strophe von Joachim Neander:

„Lobe den Herren,
der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen,
dich freundlich geleitet.
In wieviel Not
hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet.“

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern Gottes Segen und grüße von Herzen
Ihre/eure Gabriele Schulze