Andacht

Liebe Leserinnen und Leser,

eine Familie bekommt den Schlüssel für die neue Wohnung überreicht. Und schon tut sich ein neuer Ort zum Leben auf. Ein Jugendlicher steckt das erste Mal den Autoschlüssel ins Zündschloss und startet den Motor. Und schon werden die Wege kürzer, ist Freiheit spürbar. Ein Kind findet den Schlüssel zum Süßigkeitenschrank und Träume werden wahr. Schlüssel öffnen uns neue Welten.

Ein großer goldener Schlüssel hängt unübersehbar in der Martinskirche in Großdrebnitz am Altar (Titelbild). Es ist nicht der Kirchenschlüssel. Er passt auch in kein wirkliches Schloss. Der Schlüssel steht symbolisch für den Schlüssel, der uns das Heil aufschließt.

Jesus ist der Schlüsselbesitzer, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist. Der nicht nur Tod und Hölle wegsperrt (Offb 1,18), sondern der uns vielmehr die Tür zum Leben öffnet.

In der Offenbarung des Johannes stellt sich der Auferstandene der Gemeinde in Philadelphia als der vor, der als der ewige König den „Schlüssel Davids“ hat. Und dann sagt er der Gemeinde zu:

„Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen“ (Offb 3,6f).

Der kleinen, aber treuen Gemeinde in Philadelphia schließt Jesus eine Tür auf und verspricht, dass sie definitiv offen bleibt. Hören auch wir den Zuspruch in dem Wort von Jesus – für uns persönlich und für unsere Gemeinde? Eine Tür – offen zum Herzen Gottes, offen, damit uns alles erreicht, was Gott uns an Gutem verheißen hat. Eine offene Tür. Gewiss keine Exit-Tür, um aus der Welt zu fliehen. Vielmehr eine offene Tür – aufgeschlossen zu den Menschen in der Stadt und in den Dörfern, zu den Kindern, Familien, Singles, zu Alten und Jungen, zu Einsamen und Überlasteten, zu Überfliegern und Benachteiligten. Eine offene Tür, dass der Heilige Geist wirken und die Liebe Gottes fließen kann.

Dabei traut uns Jesus viel zu: Denn der Schlüssel am Altar steht auch dafür, dass Jesus uns in seinen „(Auf-)schließdienst“ mit hineinnimmt. Wir als seine Leute beauftragt er, sein entlastendes, tröstendes, veränderndes, ermutigendes und segnendes Wort weiterzusagen. Auch wir können Türen öffnen und schließen. Vor allem und zuerst unsere eigenen. Wir können unsere Türen weit aufmachen: Die Türen unserer Kirchen, die Türen unserer Häuser und Wohnungen, die Türen unserer Herzen. Wir können Menschen einen Weg ebnen, dass sie wiederum ihre Herzen für Jesus aufschließen und „Schlüsselmomente“ mit dem lebendigen Gott erleben.

Ihr Pfarrer Marc Schneider