ANDACHT

Liebe Leserinnen und Leser,

Dunkelheit ist für uns Menschen nur schwer zu ertragen. Mir jedenfalls macht es dieses Jahr besonders zu schaffen, dass die Tage immer kürzer und die Nächte immer länger werden. Da bin ich froh über jeden Sonnenstrahl und jedes wär-mende Licht. Es ist fast so, als ob wir Menschen für das Helle geschaffen sind.
Ganz anders geht es da dem Weihnachtsstern, wie wir ihn hier auf dem Bild sehen. Der kommt bei Lichtentzug erst richtig zum „Blühen“ und entwickelt seine typisch roten Blätter. Irgendwie ein ganz anderes Gewächs als wir Menschen.

Der Name der Pflanze rührt von ihren sternenförmigen Blättern her und weist uns auf den Stern von Bethlehem hin, der den Weisen den Weg zeigte. Der Stern leitete sie bis zu jenem Ort, wo der Welt ein ganz neues Licht aufging, eine ganz besondere Blume aufblühte, wie es das Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ besingt:

Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine
vertreibt’s die Finsternis.

Ein hoffnungsvolles Bild: Wie der Weihnachtsstern lässt sich Jesus nicht von der Dunkelheit des Leides, der Schuld und Gottesferne, beeindrucken — im Gegenteil: Sein Licht beginnt in der Dunkelheit dieser Welt erst richtig zu leuchten, erhellt die Finsternis und alle, die im Dunkeln leben.

„Das Licht scheint in der Dunkelheit, und die Dunkelheit konnte es nicht auslöschen.“ (Johannes 1,5)

Dabei offenbart uns das intensive Rot des Weihnachtssterns Gottes tiefsten Antrieb dafür, dass er sich in Jesus mitten in diese Welt begeben hat: Seine unfassbare Liebe zu uns, die selbst den großen Abstand zwischen Schöpfer und Geschöpf überwindet, um es hell in uns und um uns zu machen.
Da können wir hoffnungsvoll auch in manchen dunklen Stunden mit dem Propheten Micha bekennen: „wenn ich auch im Finstern sitze, so ist doch der HERR mein Licht.“ (Micha 7,9)

Denn bei einem solchen Licht kann selbst im Dunkeln manches Wachsen. Im Rückblick sind es ja oft die herausfordernden Zeiten im Leben, durch die wir eine besondere „Pflege“ erhalten. Da hat in der Dunkelheit schon manche Blüte angesetzt, die eitel Sonnenschein wohl nie hervorgebracht hätte. Vielleicht sind wir dem Weihnachtsstern dann doch gar nicht so unähnlich.

Ihr Pfarrer Marc Schneider