Liebe Leserinnen, liebe Leser,

krachend flog die Tür zu und der heranwachsende Sohn war fort. So konnte es nicht weitergehen. Das war der Mutter klar. Du musst Grenzen setzen. Auch ein Jugendlicher muss lernen, Grenzen zu akzeptieren. Aber wie bring ich’s ihm bei?

Du kannst ihn anschreien, Befehle erteilen, Strafen androhen … Du kannst auch das Gespräch suchen, Entscheidungen begründen, Perspektiven aufzeigen … – Dass du was sagen musst, ist klar. Aber der Ton macht die Musik.

… und hätte keine Liebe

Paulus schreibt im 1. Korintherbrief Kapitel 13, dass der stärkste Glauben, die größten Spenden, die wirkungsvollsten Worte, die klügsten Argumente, ja sogar alle Aufopferung für andere nichts wert sind, wenn sie ohne Liebe geschehen. Auch Jesus hatte schon gesagt, dass sich alle Weisungen der Bibel zusammenfassen lassen in der einen, Gott und den Nächsten zu lieben.

Wer jetzt spitzfindig fragt, wer denn der Nächste ist – meine Familie, oder die Nachbarn oder die Einheimischen –, dem erzählt Jesus eine Geschichte. Lest sie nach im Lukasevangelium Kapitel 10. Unser Titelbild zeigt sie. Da ist es ein verachteter Ausländer, der dem Zusammengeschlagenen hilft. Er kannte ihn nicht, aber er half ihm. Warum, wird nicht gesagt, aber wie.

Es geht hier und in den allermeisten Fällen, wenn in der Bibel von Liebe die Rede ist, nicht um Gefühle, sondern um eine innere Haltung, die auch äußerlich wahrnehmbar ist  Ich muss nicht alle Menschen mögen. Brauche ich auch nicht. Aber ich kann ihnen fair, freundlich und achtungsvoll begegnen. Auch dem, den ich nicht mag. Denn sie oder er ist von Gott geliebt. Egal, ob ich das verstehe.

Am Ende seines Briefes schreibt Paulus:

Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.
(1. Korintherbrief 16,14)

Das ist unsere Jahreslosung für dieses Jahr. Inmitten all der Probleme von Kriegen bis zur Klimakrise, für die wir noch keine Lösungen wissen, und auch für die kommenden Wahlen, für deren Ergebnis jede/r von uns Mitverantwortung trägt, und ebenso für den Umgang miteinander in Kirche und Gesellschaft ist uns dieser Satz gesagt.

Alles geschehe in Liebe. Nicht aus, sondern in Liebe. Liebe wird nicht immer die Motivation sein, aber sie soll allem Tun und Lassen, Reden und Schweigen die richtige Form geben.

Das zu üben, haben wir in diesem Jahr gut zu tun. Gute Erfahrungen dabei wünscht ihnen

Ihr Pfarrer Joachim Rasch