Ein Kreuz am Weg. Besonders in (früher) mehrheitlich katholisch geprägten Gegenden sind sie auch heute noch häufig zu finden. Selbst im angeblich so unreligiösen Tschechien werden Flurkreuze in den letzten Jahren häufig liebevoll restauriert und gepflegt, wie das Grieselkreuz in Jetřichovice (Dittersbach) auf unserem Titelbild. Solche Kreuze laden die Vorbeigehenden zum Gebet und zur Besinnung ein. Mitunter weist auch – wie hier eine entsprechende Aufschrift darauf hin.

Das Kreuz ist schon frühzeitig zum wichtigsten Zeichen der Christen geworden, obwohl der Glauben zuerst durch die Osterbotschaft entstanden ist. Ich fand eine Geschichte, die schön erzählt, warum den Christen das Kreuz so wichtig ist:

Religionsstunde. Hannes hat eine Frage, die ihn anscheinend sehr beschäftigt: „Warum nur hat jede Christenfamilie ein Kreuz in der Wohnung?“ – „Zeichen der Auferstehung wäre besser“, meint ein anderer. Da setze ich mich zu meinen Buben und erzähle ihnen eine Geschichte.

Großvater ging mit Michael spazieren. Es war ein eiskalter Winternachmittag. Michael freute sich an Eis und Schnee, hopste, stapfte. Der Großvater folgte ihm lächelnd, aber mühsam. Sein Herz war krank, schon sehr krank. Michael wollte zum Teich. Dieser war zugefroren, stocksteif!

„Das muß herrlich zum Eislaufen gehen“, rief Michael, „wenigstens rutschen und schlittern möchte ich einmal probieren!“ Großpapa warnte. Dicht am Ufer stand der alte Mann, als Michael schon beide Beine aufs Eis gesetzt hatte. „Komm, Michi …“

Des alten Herrn Ruf kam zu spät. Michael schrie, war eingebrochen durchs Eis, klammerte sich an Rand und Brocken. Zitternd streckte der Großvater seinen Stock dem Buben entgegen. Der fasste ihn, zog sich mit aller Kraft empor. Alle seine Kräfte aber setzte der Alte ein, um auf den Beinen zu bleiben, den Stock in den geballten Fäusten zu behalten. Die Rettung gelang.

In den Armen des Retters geborgen, so eilends sie konnten, kehrten Michael und Großvater heim. Dem Bub halfen ein warmes Bad und das Bett über seine Beschwerden, aber für Großvater war dieses Geschehnis zu viel, zu anstrengend, zu aufregend gewesen. Ein heftiger Herzanfall nahm ihm das Leben. Die Trauer seiner Lieben war groß.

Bald wollten die Angehörigen das, was dem Großvater gehört hatte, wegräumen, vergeben, verschenken. Mit starrem Gesicht sah Michael zu. „Nein!“ rief er auf einmal, „werft den Stock nicht weg, er gehört mir! Damit hat Großpapa mein Leben gerettet, seines hat er dabei verloren! Solange ich lebe, will ich den Stecken bei mir haben als Zeichen seiner Liebe zu mir!“

Ich brauchte nicht weiterzusprechen. Meine Buben wussten Bescheid. Hannes sagte: „Ich verstehe jetzt, was ein Stückchen Holz einem bedeuten kann … was den Christen das Zeichen des Kreuzes ist.“

Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

(Johannes 3,14b.15)

In der Passionszeit bedenken wir besonders in Gottesdiensten, Andachten und im persönlichen Gebet was Jesu Weg ans Kreuz für uns bedeutet. So laden wir z. B. zu den wöchentlichen ökumenischen Passionsandachten in die kath. St. Benno Kirche und in die Kreuzkirche ein.

Ihr Pfr. Joachim Rasch