Andacht

Monatsspruch April
Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen:
Ich habe den Herrn gesehen.
Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.“
(Johannes 20,18)

Liebe Leserinnen und Leser,

wie Maria zu den Jüngern kommt und ihnen von Ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Jesus berichtet, hat 1990 die indische Malerin Lucy D’Souza-Krone auf einem Hungertuch festgehalten (siehe Titelbild). Aus dem Licht der Begegnung mit dem Auferstandenen tritt Maria hervor und erzählt den noch im Dunkel befindlichen Jüngern die frohe Botschaft: Jesus lebt! Mit der aufgestoßenen Tür, mit den Worten voller Leben weicht die Finsternis, weichen Trauer und Ohnmacht. Und dann, ein paar Stunden später wird Jesus selbst in ihre Mitte treten und sie werden ihn mit ihren eigenen Augen sehen.

Dass die Evangelien davon berichten, dass Maria und andere Frauen zu den ersten Zeugen der Auferstehung gehören, ist für die damalige Zeit bemerkenswert. Manche kritischen Stimmen heute behaupten ja, dass Jesus gar nicht auferstanden ist und die Berichte darüber bloße Erfindungen sind. Doch dann hätten sich die Autoren der Lebensberichte von Jesus sicher bessere Zeugen für die Auferstehung ausgedacht. Das Zeugnis von Frauen war in der Antike nämlich nicht viel wert. Wieso also Frauen als Zeugen? Doch wohl deshalb, weil es so war. Und sicher auch deshalb, weil Jesus Frauen viel zutraut, unter ihnen auch Maria Magdalena.

Doch wer war Maria Magdalena? Von ihr wissen wir nicht viel. Ihr Name verrät: Sie stammt aus Magdala, einer Stadt am See Genezareth. Von ihr berichten die Evangelien, dass Jesus sie von sieben Dämonen befreit hatte. Seitdem war sie mit ihm unterwegs. Gemeinsam mit anderen Frauen unterstützte sie Jesus und die Zwölf mit ihrem Hab und Gut (Lk 8,1-3).

Mit ihrer schweren Vergangenheit war sie vielleicht kein Aushängeschild, keine Top-Frau. Und doch: Sie war eine der treuesten Nachfolgerinnen von Jesus. Sie war es, die mit anderen Frauen den Leichnam von Jesus salbte und ihn als erste als den Auferstandenen erlebte. Sie war es, die sich daraufhin mutig vor die Jünger stellte und ihnen etwas verkündete, das alle Grenzen des Menschenmöglichen sprengt. Vielleicht hat sie dabei etwas gespürt von dem, das Paulus später einmal so formuliert: „Allem bin ich gewachsen durch den, der mich stark macht.“ (Phil 4,13)

Maria war die erste Zeugin für den auferstandenen Jesus. Es folgten viele weitere, Frauen und Männer, die meisten sicher keine Helden oder Stars. Und heute sind es wir, du und ich. Und wenn wir uns den Ostergruß in diesen Tagen zurufen, dann tragen wir genau dieses Zeugnis weiter, wie es Maria tat: „Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!“

Ihr Pfarrer Marc Schneider