Andacht

Liebe Leserinnen und Leser,

na, kennen Sie dieses Bild? Es ist in einer unserer Kirchen zu finden. Wo genau, verrate ich hier nicht. Falls Sie es nicht wissen, dann besuchen Sie doch mal unsere Kirchen und suchen Sie …

Die Kirche in … als Arche. Ich finde das ein starkes Bild: Die Kirche – eine Arche, die Menschen und Tiere vor dem Untergang rettet. (Die Geschichte von der Arche Noah und der Sintflut kennen vermutlich alle. Sie steht am Anfang der Bibel: 1. Mose 6-9.)

Tun wir das? Sind wir eine solche Kirche? Ich glaube, in dem Bild ist nicht nur das Gebäude gemeint, obwohl auch das manchmal Menschen retten kann, sondern wir sind gemeint: Wir als Christinnen und Christen, wir, die Gemeinde Jesu Christi in unserer Welt und unserer Zeit.

Ich denke daran, wie z. B. im Diakonissenhaus in Dresden Tag für Tag Menschen aus Krankheit und Todesgefahr gerettet werden. Oder wie Mitarbeitende der Telefonseelsorge rund um die Uhr ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen haben. Wie viele mögen sie schon vor einem Suizid gerettet haben? Ich denke daran, wie Schiffe im Mittelmeer – auch mit Unterstützung von Christen – Menschen aus Seenot retten. Oder wie ich neulich las, dass Pfr. Kaube in Putzkau 1944/45 eine ungarische Jüdin in Pfarrhaus und Kirche versteckte.

Es gibt noch viel mehr Beispiele. Und manches davon war und ist umstritten. Auch in der Kirche. Damals und heute. (Merkwürdig: Für die Rettung von Tieren fällt mir kein kirchliches Beispiel ein. Da stehen wir Christen noch ganz am Anfang.)

Für den Juni ist uns ein bekannter und wichtiger Satz aus der Apostelgeschichte zum Bedenken mitgegeben:

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
(Apostelgeschichte 5,29)

„Ja“, werden alle sagen. Aber was heißt das genau? Wenn es konkret wird, fallen die Entscheidungen, was „Gott gehorchen“ bedeutet, mitunter sehr unterschiedlich aus. In meiner Jugend war dieser Satz aus der Apostelgeschichte zusammen mit dem 5. Gebot für mich ein Argument, Bausoldat zu werden. Ich wollte keine Waffe in die Hand nehmen und den Umgang damit gar nicht erst lernen. Andere Christen haben sich anders entschieden. Auch sie kannten diese Sätze und wählten den (wie ich fand) weit schwierigeren Weg, als Christen mit einer Waffe in der Hand Gott zu gehorchen.

Auch heute stehen wir immer wieder vor dieser und anderen Entscheidungen, bei denen es darum geht, wie wir Gott gehorchen. Doch wie wir uns auch entscheiden, wir müssen uns daran messen lassen, dass Gott ein Gott des Lebens ist, der nicht den Tod will, sondern das Leben. Davon erzählt auch die Geschichte von der Arche.

Die Kirche – eine Arche. Mir gefällt dieses Bild. Gebe Gott, dass wir Christinnen und Christen hier im Bischofswerdaer Land auch an dieser Arche mitbauen.

Ihr Pfarrer Joachim Rasch