Andacht

Monatsspruch August

„Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten.“ 

(1. Chronik 16,33)

Liebe Leserinnen und Leser,

wann haben Sie zuletzt einen Baum jubeln gehört? Wahrscheinlich noch nie. Ich jedenfalls noch nicht. In der Regel sind das ja eher stille Zeitgenossen. Dabei können Bäume tatsächlich Geräusche von sich geben. Allerdings befinden sich diese Töne in einem sehr hohen Frequenzbereich. Das können wir Menschen nicht hören. Und der Anlass ist auch kein freudiger: Bäume „schreien“ bei akutem Wassermangel. Da wurden sicher in diesem und in den letzten Jahren schon ein Klagelied nach dem anderen angestimmt.

Wie ein Gegenbild erscheint da der Vers aus dem 1. Buch der Chronik. Da werden die Bäume aufgefordert zu jubeln. Einen jubelnden Baum stelle ich mir grün und vital vor, mit dichtem Laub und weit in den Himmel ragenden Ästen. Bäume müssen gar nicht viel sagen, um als Jubelnde identifiziert zu werden. Mit ihren weit ausgestreckten Ästen gleichen sie Armen, die vor Begeisterung nach oben gerissen werden. Und wenn ein Sturm über einen Wald geht, können die Bäume mit jeder La-Ola-Welle im Stadion mithalten.

Der Monatsspruch stammt aus einem Danklied. Der König David lässt es anstimmen. Dafür gibt es einen besonderen Grund: Die Bundeslade wird nach Jerusalem gebracht. Die Bundeslade war das Zeichen der Gegenwart Gottes inmitten seines Volkes. Mit Jubel und Musik begleiten die Israeliten die Bundeslade in die Stadt. Selbst David ist voller Freude und tanzt und hüpft, was das Zeug hält. Mit seinem Lied lädt David das ganze Volk ein, in den Jubel mit einzustimmen, selbst die ganze Natur wird aufgefordert: das Meer, das Feld – und eben die Bäume.

Bei einem jubelnden Baum, da denke ich an keine kahle, vertrocknete Fichte, wie derzeit in vielen Wäldern zu sehen. Die sehen eher zum Erbarmen aus. Ja auch das ist wahr: Die ganze Schöpfung seufzt unter ihrem Zustand, wie es der Apostel Paulus im Römerbrief feststellt (Röm 8,18-22). Aber vielleicht sind es gerade auch die angefochtenen, verletzten und abgestorbenen Bäume, die es notwendig haben, dass der Herr kommt. Denn, wenn er kommt, bringt er alles zurecht. Wenn Sie sich als einen Baum vorstellen würden, was für einer wären Sie?

Vielleicht sind Bäume auch ein ganzes Stück Lehrmeister für uns. Sie laden uns ein, uns auszustrecken, zum Himmel, zum Licht, zu Gott. Sie laden uns ein, uns tief zu verwurzeln, im festen Grund, in Gottes Wort, in seiner Liebe. So können wir Gott bitten, so zu werden, wie ein guter Baum – ausgerichtet auf ihn, fest verwurzelt in nährreichem Boden.

„Mach in mir deinem Geiste Raum,
dass ich dir werd ein guter Baum,
und lass mich Wurzeln treiben.“

Ihr Pfarrer Marc Schneider