
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
1653, fünf Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, lagen weite Teile Deutschlands in Trümmern. Ganze Landstriche waren verwüstet und entvölkert. Da erschien ein Gedicht des Pfarrers Paul Gerhardt aus Mittenwalde bei Berlin:
Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.
Zeilen eines weltfremden Traumtänzers oder Zynismus? Oder tatsächlich Trost und Hoffnung für geschundene Seelen? – Paul Gerhardt hat in seinen Gedichten dem Leiden und der Sehnsucht der Menschen seiner Zeit auf ergreifende Weise Ausdruck verliehen. Und zugleich derHoffnung auf Gott, der den Menschen zwar irdisches Leid nicht erspart, aber bei ihnen ist und sie letztlich erlöst.
Geboren wurde Paul Gerhardt 1607 in Gräfenhainichen nahe Wittenberg. Sein Vater starb, als er 12 Jahre alt war und schon mit 14 Jahren wurde er durch den Tod der Mutter Vollwaise.
Während seines Theologiestudiums in Wittenberg brach der Dreißigjährige Krieg auch über Sachsen herein. Seine Heimatstadt wurde von den Schweden in Schutt und Asche gelegt und kurze Zeit später grassierte die Pest, an der auch sein Bruder Christian starb. Auch seine Ehefrau Anna musste er nach nur 13 Ehejahren bestatten. Beide hatten zuvor schon vier ihrer fünf Kinder begraben müssen.
Paul Gerhardt selbst starb vor 350 Jahren am 27. Mai 1676 in Lübben.
In seiner ersten Pfarrstelle in Mittenwalde südlich von Berlin entstand Geh aus, mein Herz, und suche Freud. Das Blühen und Grünen der Natur macht Paul Gerhardt Mut, nicht nur die Sorgen und all das Schreckliche zu sehen, sondern auch das Schöne und Gute, das es auch gibt. In der Schöpfung ist so viel von Gottes lebendigem Atem zu sehen und zu spüren. Gott erhält seine Schöpfung, trotz aller Kriegsschrecken und Grausamkeiten. Die Schöpfung atmet ihren eigenen göttlichen Rhythmus. Das macht ihm Hoffnung. Und die will er weitersagen: Schau hin, mach Augen und Ohren auf, sing mit!
Alle Gedichte Paul Gerhardts sprechen diese Hoffnung aus. Manche nennen sie deshalb auch „Balladen vom guten Ende“. Ganz tief ist in seinem Herzen verankert, dass Gott diese Welt und uns Menschen nicht aufgibt und uns in sein ewiges Reich führt. Das ist bei ihm keine billige Vertröstung, sondern Stärkung, Ermutigung und Halt – heute würden wir Resilienz sagen – für den Weg in dieser Welt.
Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann!
Ich wünsche Ihnen diese Zuversicht für Ihre Wege in diesem Sommer
Ihr Pfarrer Joachim Rasch
