Frei von Sklaverei und Tod: Pessach beziehungsweise Ostern.

Jüdinnen und Juden feiern zu Pessach die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, Christinnen und Christen zu Ostern die Auferstehung Jesu vom Tod. Gott befreit und erlöst. Auch heute. Halleluja!

Eine jüdische Stimme – eine christliche Stimme

Die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise –jüdisch und christlich: näher als du denkst“ möchte dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen. Hier wird im Blick auf die Feste die tiefe Verwurzelung des Christentums im Judentum deutlich. Mit dem Stichwort „beziehungsweise“ soll der Blick auf die aktuell gelebte jüdische und christliche Praxis in ihrer vielfältigen Ausprägung gelenkt werden. Die Kampagne ist ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

Die Betonung der Nähe von Judentum und Christentum ist aber nur möglich, wenn sie respektvoll geschieht – und auch die Distanz genannt wird. Jede Seite hat ihre eigene Würde und Eigenständigkeit. Nähe darf nicht Vereinnahmung bedeuten.

In der jetzigen Zeit erleben wir jedoch eine gesellschaftliche Situation, in der Antisemitismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wieder zunehmen. Sie zeigen sich in Übergriffen gegen Jüdinnen und Juden sowie jüdische Einrichtungen und noch mehr in Unterstellungen, Hetze und Verschwörungslügen, die in den sozialen Medien verbreitet werden.

Als Christen machen wir da nicht nur nicht mit, sondern erklären deutlich: Wir stehen an der Seite unserer jüdischen Geschwister. Juden und Christen sind eigenständig, aber gehören zusammen. Wir haben einen Gott, unseren Vater im Himmel, und Jesus aus Nazareth – für Christen der Heiland – war ebenso Jude wie seine Mutter Maria Jüdin war.

Leider gibt es in Bischofswerda keine jüdische Gemeinde. Und die einzigen Juden, von denen ich weiß, dass sie hier lebten, war Familie Hoffmann, die zu Beginn der 1940-er Jahre nach Theresienstadt deportiert wurden. Nur die Tochter Hella Hoffmann war schon zu Beginn der Nazizeit emigriert.

In den vergangenen Jahren war Michaela Vidláková mehrfach zu Gast in unserer Stadt und hat Schulen und unsere Kirchgemeinde besucht. Letztes Jahr konnte sie wegen der Pandemie nicht kommen. Hoffen wir, dass es in diesem Jahr wieder möglich ist.

Aus diesen Gründen haben wir auch bisher keine eigenen Veranstaltungen zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland geplant, laden aber ausdrücklich ein, sich an den online-Veranstaltungen unter www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de zu beteiligen bzw. dort zu informieren.

Pfr. Joachim Rasch