Das gotischen Kirchengebäude (1497-1813)


 

Bischofswerda im Jahre 1629 - Federzeichnung von Wilhelm Dilich (Bildausschnitt)


Wie sah der Vorgängerbau der Christuskirche aus?

Alte Stadtansichten

Baupläne sind leider nicht überliefert. So ist man auf alte Stadtansichten angewiesen, um einen ungefähren Eindruck zu erhalten, wie das gotische Kirchengebäude - der Vor­gänger­bau der Christuskirche - aussah. Allerdings hat sich gezeigt, dass die Abbildung der Kirche auf den alten Darstellungen nicht ganz exakt ist. Es fehlen zum Beispiel die Stützpfeiler an der Außenseite, die definitiv vorhanden waren.

Die älteste Gesamtansicht von Bischofswerda stammt von Wilhelm Dilich aus dem Jahre 1629 (siehe oben). Sie zeigt Bischofswerda aus nordöstlicher Richtung, vom sogenannten Sandberg aus (also von der Anhöhe hinter dem jetzigen Kulturhaus).

Die nächst jüngere Ansicht der Stadt fertigte Christian Heckel (†1705), Radierer und Kupferstecher, wahrscheinlich um 1695 (Prospect vom Trebnitzer Berge). Sie zeigt Bischofs­werda vom Süden und wurde 1713 in der Stadtchronik seines gleichnamigen Vetters, Christian Heckel (1676-1744), damals Lehrer und Kantor in Bischofswerda, veröffentlicht.

Bischofswerda um 1695 - Stich von Christian Heckel, veröffentlicht 1713 (Bildausschnitt)


Neuere Untersuchungen

Es gibt jedoch noch eine weiter Quelle: das Gebäude der jetzigen Christuskirche selbst. Dem sachkundigen Blick des ehemaligen Bischofswerdaer Stadtbaurates Eduard Candrian (1884-1969) fiel eine Merkwürdigkeit auf: Die heutige Christuskirche hat an der Außenseite verschiedene Stützpfeiler, die für die Statik des Gebäudes, das 1816-18 im klassizistischen Stil erbaut wurde, nicht erforderlich sind. An der Südseite befindet sich sogar ein schräg­gestellter Stützpfeiler an der geraden Wand. Eduard Candrian ließ diese Merkwürdigkeit keine Ruhe. Er vermaß und unter­suchte alle Stützpfeiler und legte seine Erkenntnisse 1965 in einer Niederschrift dar, die er freundlicherweise auch unserem Pfarramt überlassen hat.

Das wichtigste Ergebnis: Eduard Candrian konnte nachweisen, dass die jetzige Christus­kirche zum großen Teil auf den (nach dem Stadtbrand noch vorhandenen) Umfassungs­mauern der gotischen Vorgänger­kirche erbaut worden ist. Die Stützpfeiler, die in der Vorgängerkirche den seitlichen Druck der gotischen Gewölbe abfingen, wurden - vermutlich aus Kostengründen - nur dort ab­ge­tragen, wo sie dem Entwurf von Hofbaumeister Gottlob Friedrich Thormeyer im Wege waren. Der schräge Stützpfeiler an der Südseite war früher also ein Eckpfeiler, an dem sich die Breite des Gebäudes zum schma­leren Chor­raum hin verringerte. In der Bauzeichnung von Thormeyer, die im Stadtarchiv aufbewahrt wird, ist dieser schräge Pfeiler nicht enthalten.

Überdies konnte Eduard Candrian aufgrund von Größe und Beschaffenheit der Stützpfeiler zeigen, dass sich die in den alten Stadtchroniken genannte Katha­rinen­kapelle höchst­wahr­scheinlich im Norden an den Chorraum anschloß und dass die Begradigung des Chorraumes an der Ostseite - nach schwerer Beschädigung der ganzen Kirche durch ein Feuer im Jahre 1671 - erst in den Jahren 1680-81 abgeschlossen wurde.

Der Architekt Dr. Peter Senf hat die Niederschrift von Eduard Candrian im Jahre 2001 gelesen und eine vergleichende Zeichnung der beiden Kirchengebäude angefertigt, welche zusammen mit einem erläuternden Artikel in der Sächsischen Zeitung vom 7./8. Juli 2001, Seite 10, ver­öffent­licht wurde.

Originalzeichnung von Architekt Dr. Peter Senf (2001) - Vergleich der Kirchengebäude